Abschied von der Grundschule: Wir kommen in ein Alter, in dem Eltern und Lehrer schwierig werden
29.07.2010 - (von Frieder Scholtes) So warnten sich die Viertklässler der Erich Kästner Schule bei ihrer Entlassfeier. Rektor Bernd Merklinger konnte 57 Grundschüler verabschieden, von denen er allerdings 14 nach den Sommerferien wieder in der Werkrealschule begrüßen darf. 27 Schülerinnen und Schüler wechseln auf die Realschule und 16 werden Gymnasiasten.
Die Schulentlassfeier der Viertklässler lockt erfahrungsgemäß viele Gäste an.
Eltern, Großeltern, das Lehrerkollegium und Vertreter des öffentlichen Lebens, brachten den Hausmeister in arge Bestuhlungsnot und die Aula an ihre Kapazitätsgrenze.
Die Stimmung war trotzdem bestens, denn wieder einmal hatte sich die Pennäler mit ihren Lehrern ein Programm ausgedacht, das von höchstem Unterhaltungswert war, doch der Reihe nach. Jacqueline Kellerer meisterte ihr Lampenfieber und entlockte ihrem Klavier mit den Stücken „The streets of London“ und „The Entertainer“ zauberhafte Töne. Zwischendurch konnte Bernd Merklinger den stellvertretenden Bürgermeister Karl Vetter, eine große Anzahl von Gemeinderäten, den Elterbeiratsvorsitzenden Stefan Mächtel und den Vorsitzenden des Fördervereins Martin Ramp begrüßen.
„Es war einmal im zwanzigsten Jahrhundert“, titelte das Märchentheater der Schüler, welche damit ihr begeistertes Publikum mit Kalauern und Sprüchen in der neuzeitlichen, schnoddrigen Jugendsprache bestens unterhielt.
Das Skript ist schnell erzählt: „Hänsel“ hat Geburtstag und gibt für die bekannten Märchenfiguren eine Mega-Party. An denen ist die Zeit auch nicht spurlos vorübergegangen, Rapunzel hat sich die superlangen Haare schneiden lassen und wird von Aladin angebaggert, mit ihm zur Party zu gehen. Rapunzels ehemals edler Prinz ist ein richtiger Macho geworden, der ständig vor dem Computer rumhängt. Aladins Frau Jasmin befindet sich mit ihrer Bauchtanzgruppe beim Selbstfindungskurs auf Mallorca. So werden die Märchenhelden zu modernen Alltagsmenschen. Rotkäppchen spielt mit der Oma Nintendo und ist auf dem Bio-Trip. Der Jäger, der auf die ausgestorbenen Wölfe verzichten muss, ist in Rente gegangen. Das tapfere Schneiderlein spielt, mangels ebenfalls ausgestorbener Riesen, Golf.
Sterntaler hat ihre Taler aus dem Goldregen, vor dem Fiskus verborgen, auf einer Schweizer Bank deponiert und sich nach einem BWL Studium selbstständig gemacht.
Die Hexe joggt easy über die Bühne nach dem Motto: “Wir sind die jungen Alten“. Die sieben Zwerge sind im Ausstand und bestreiken lautstark das Bergwerk. Trotzdem wird Hänsels Party mit seinen abgefahrenen, illustren Märchengästen ein voller Erfolg.
Denselben hatten auch Ina Ernst aus der 4a, Laura Dossinger und Florian Steger aus der 4b, ebenso wie Jaqueline Kellerer, Alisa Klumpp und Katharina Köhler, allesamt aus der 4c. Das Sextett durfte, jeweils mit dem besten Notendurchschnitt ihrer Klasse, die Buchpreise des Fördervereins in Empfang nehmen.
Grußworte sprachen Martin Ramp als Vorsitzender des Fördervereins und Stefan Mächtel, als scheidender Vorsitzender des Elternbeirats.
Bürgermeisterstellvertreter Karl Vetter, der die Grüße des Ortsoberhauptes Jürgen Heß überbrachte, lobte die Qualität der Erich Kästner Schule und ganz besonders das Engagement der Lehrer.
Der gemeinsam von den scheidenden Schülern vorgetragene Song von Queen „Friends will be friends“ war gleichzeitig Ansage und Vermächtnis.
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